Recherche und Auswertung großer heterogener beweisrelevanter digitaler Daten Fachanwalt für Strafrecht
Rechtsanwalt Oliver Marson

Auswertung großer heterogener beweisrelevanter digitaler Daten

Problemlage:

Beweiserhebliche Daten und Informationen liegen bereits heute in den meisten Strafverfahren in digitaler Form vor. Zum einen werden die in analogen Zeiten in Form von Beweismittelordnern zur Verfügung gestellten Ermittlungsergebnisse digitalisiert; zum anderen werden originär digitale Daten, wie sie von elektronischen Datenträgern im Rahmen von Ermittlungen erfasst werden bzw. von Smartphone-, TKÜ- und Funkzellendaten-Erfassungen stammen, bereits in elektronischer Form in den Beweismittelbestand aufgenommen.

Mit der Einführung der elektronischen Akte und der Herstellung eines medienbruchfreien Verarbeitungsprozesses digitaler Beweise von der Erfassung durch die Ermittlungsbehörden bis zum Urteil, wird sich dieser Trend der Digitalisierung der Beweismittelverarbeitung unaufhaltsam fortsetzen – unbeschadet des Streites, welcher Teil der erfassten digitalen Daten als Aktenbestandteil zu bewerten ist.

Was sind heterogene digitale Beweisdaten?

Von „heterogenen Daten“ spricht man, wenn Informationen aus verschiedenen Quellen und in unterschiedlichen Formaten vorliegen. Beispiele sind:

  • Chatverläufe aus Messenger-Diensten
  • E-Mails und Dokumente
  • Fotos und Videos
  • Standortdaten oder Bewegungsprofile
  • Daten aus sozialen Netzwerken

Diese Daten sind oft über verschiedene Geräte und Plattformen verteilt und müssen zunächst technisch zusammengeführt werden.

Herausforderungen in der Praxis

Die Auswertung solcher Datenmengen ist komplex und fehleranfällig. Häufig geht es um mehrere tausend Dateien oder umfangreiche Datensicherungen ganzer Geräte. Dabei stellen sich zentrale Fragen:

  • Sind die Daten vollständig und unverändert?
  • Wurden sie korrekt gesichert und ausgewertet?
  • Lassen sich Inhalte eindeutig einer Person zuordnen?

Fehler bei der Sicherung oder Analyse können dazu führen, dass Beweise unverwertbar sind oder zumindest kritisch hinterfragt werden müssen.

Was ist aus Verteidigersicht zu tun?

Die Beherrschung dieser großen beweiserheblichen Datenmengen durch die Verteidigung stellt eine große Herausforderung dar. So gilt es unterschiedlichste Datenformate effektiv und mit Blick auf die Anklagetheorie sinnvoll im Zusammenhang aufzubereiten, relevante von irrelevanten Inhalten zu trennen und analytische Fragestellungen quellenübergreifend auszuwerten.

Bedeutung für die Strafverteidigung

Für die Strafverteidigung bieten digitale Daten nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Ein erfahrener Strafverteidiger prüft genau:

  • Wie wurden die Daten erhoben?
  • Wurden gesetzliche Vorgaben eingehalten?
  • Gibt es Lücken oder Widersprüche in der Auswertung?

Gerade bei großen Datenmengen kommt es häufig vor, dass entlastende Informationen übersehen werden oder einzelne Daten falsch interpretiert werden.

Technik verstehen, Rechte wahren

Die Auswertung digitaler Beweise ist ein zentraler Bestandteil moderner Strafverfahren. Umso wichtiger ist es, die technischen und rechtlichen Grundlagen zu verstehen. Wer mit einem entsprechenden Vorwurf konfrontiert ist, sollte frühzeitig anwaltliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Eine sorgfältige Analyse der digitalen Beweismittel kann entscheidend für den Ausgang des Verfahrens sein.